Krieg und Frieden

Du denkst darüber nach, wie sinnlos, wie nutzlos, wie wertlos das alles ist. Kriege, Gefechte, das Streben nach Frieden mit dem Gedanken, dass es zwecklos ist, weil Menschen nun mal so sind. Weil sie im motorischen Raubfieber befangen, weil sie im notorischen Staub lieber gefangen sind, als aufzuhören alles zu kriegen, was greifbar ist und systematisch Leben lähmen, pragmatisch Besitz nehmen. Weil es so lächerlich einfach ist Wurzeln zu entreißen, während das Säen und das Bepflanzen so ärgerlich viel Geduld und Zeit einreißen. Und weil Unrecht nur durch unrechtes Vergehen zu einem rechten Begehen formbar ist. Und du sagst noch … Krieg und Frieden weiterlesen

„Erschießen Sie keinen Klavierspieler.“ – Srebrenica und seine Symbolik

Ein Szenario legt sich zwischen meine Hirnwände, das sich mit dem Vernehmen bestimmter dreier Silben jedes Mal aufs Neue ausstreckt, mich und mein Tagdösen an gewissen Tagen dauerhaft begleitet. In diesem mentalen Schauspiel tanzt Gut und Böse aus der Reihe, Recht und Ordnung wirbeln bei ihrem Abgang noch mit dem letzten Staub einer Stadt der guten Tage. Dann bricht Hitze ein und ein Trupp, grün und geladen, mit Waffen und Wahnsinn in den Augen. Sengende Sonnenstrahlen tanzen auf einer alten Batteriefabrik ihren letzten Aufgang, heute wird eine ewige Nacht in diesen Ort hereingetragen werden. Aufeinander hockende Menschen warten auf Ungewisses, … „Erschießen Sie keinen Klavierspieler.“ – Srebrenica und seine Symbolik weiterlesen

„Liebe Verwandtschaft..“ – Ein Preuße mit Migrationshintergrund?

Beschreibung: Christian Friedrich Aly wurde im Osmanischen Reich geboren, lebte später aber in Berlin, wo er 1716 verstarb. Während des großen Türkenkrieges siegte das Herr von Friedrich III. von Brandenburg in der Schlacht bei Ofen (1684), an der auch Aly beteiligt war. Dieser wurde gefangengenommen, wurde dann aber vom Kurfürsten Friedrich III. als Leibdiener für seine Frau Sophie Charlotte beordert. Er wurde christianisiert, nach seiner Taufe wurde ihm der Namenszusatz Christian Friedrich gegeben, fortan hörte er auf den außergewöhnlichen Namen Christian Friedrich Aly. Zu seinen Nachfahren gehören unter anderem der Historiker Götz Aly oder der Philologe Gottfried Friedrich Aly. Fiktiver … „Liebe Verwandtschaft..“ – Ein Preuße mit Migrationshintergrund? weiterlesen

6 Jahre, 18 Stiche, 32 Sekunden

Es gibt Taten, die bleiben in ihrer Grausamkeit ewig unbegreiflich. Menschlicher Verstand stößt auch in der heutigen Zeit, die ohnehin von täglichen Opferzahlen und unzensierten Blutleichen geprägt ist, an seine Grenzen des Nachvollziehbaren. Wenn eine junge Frau getötet, kaltblütig niedergestochen wird, ist das zweifelsohne immer tragisch. Doch es gibt Vorfälle, die bleiben in ihrer Grausamkeit ewig unvergleichlich. Marwa El-Sherbini. Eine 32-jährige Ägypterin, nationale Handballspielerin, ambitionierte Pharmazeutin. Ich wünschte mir nur zu oft, ich hätte nie von ihr gehört. Oder anders von ihr erfahren. Vielleicht von ihrem Durchbruch in der Handballnationalmannschaft, von aufeinanderfolgenden Erfolgen in ihrem Beruf. Oder einfach nur von … 6 Jahre, 18 Stiche, 32 Sekunden weiterlesen

Einer dieser Tage

Nichts ist ungewöhnlich an Heute, vor meinem Fenster fröhlich reckend, sehe ich sich gekrümmt nach Essen streckend, vor meiner Tür die hungernden Leute. Einer dieser Tage, Blut durch die Rinnen restlicher Menschlichkeit, Gas in die Binnen einst festlicher Flüsse fließend, sehe ich die heutige Ohnmacht gestriger Empfindlichkeit, damals noch Spuren salziger Trauer in unsere Augen schießend. Nichts ist ungeläufig an Heute, vor dem Kanal auf dem sorgfältig gemähten Rasen entspannend, beobachte ich tragisches Ersaufen Bleibesuchender, vor den Grenzen das rüberschwappende Meerwasser entbannend, baue ich hochgewachsene Mauern vor Nasen Lebensdurstender. Einer dieser Tage, Bomben auf mutig laufende Zweijährige fallend, Öl an … Einer dieser Tage weiterlesen

Der Rassist in uns

Augen blitzen so manche Zeit in größter Missgunst auf, wenn sie Fremdes erblicken. Automatisch wird ungesehene, aber leibhaftig gefühlte Distanz zwischen die eine und die andere Seite gelegt. Die Seiten werden meist nach Mehrheit und Minderheit sortiert, was überwiegt ist normal. Und was heraussticht, wird beäugt. Eigentlich eine völlig logische Konsequenz langwierigen Denkens in stetigem Schwarz-Weiß Muster. Oftmals behutsames, fast schon gängiges Agieren mit harscher Umsetzung und heiklen Folgen. Wir alle hegen und pflegen Ihn, in bestimmten Situationen und mit ganz bestimmten Intentionen. Ein Rassist wohnt in jedem Einzelnen von uns, füttert unsere Gedanken mit Vorbehalten, die mit nicht hieb- … Der Rassist in uns weiterlesen

Betuchte Identitäten in verkannter Freiheit

Es begleitet mich schon seit geraumer, seit wirklich langer Zeit auf meinem bisherigen Weg. Baute manchmal Brücken, manchmal brachte sie diese aber zum Stürzen, ohne es jemals willentlich getan zu haben. Schon seit geraumer, seit wirklich langer Zeit ruht es zwischen meinen monotonen Akten am Morgen, ist so selbstverständlich wie das Zähneputzen und die regen Überlegungen vor dem Klamottenhaufen im Kleiderschrank. Mittlerweile ist es schon ein ziemlich unbewusster Griff zum blauen Nadelkästchen auf der Kommode, eine relativ gängige Bewegung des Umbindens all der Tücher vor dem Wandspiegel. Ja es ist seit geraumer, seit wirklich langer Zeit omnipräsent, doch fühlt es … Betuchte Identitäten in verkannter Freiheit weiterlesen

Sauerkraut kauend im Çay rühren

„Ich komme aus der Türkei, aber ich bin auch Deutsche. Ich besitze die deutsche Staatsbürgerschaft und spreche ausgezeichnet Deutsch.“ Es sind immer wieder diese oder ähnlich deklamierende Phrasen, die monoton heruntergeleiert werden. Von muslimischen Jugendlichen gerne ausgepackt, wenn sie mit ihrer Identität konfrontiert werden. Fast schon wie ein Abwehrmechanismus, ein Reflex der Rechtfertigung, wo es eigentlich keinen Grund für eine gibt. Oft habe auch ich diese Grundsätze der Integrationsbeschaffenheit voll gekünsteltem Enthusiasmus aufgesagt, denn ich dachte ich müsste. Ich dachte eben, ich sollte. Doch mir wurde klar, von einem Moment auf den anderen, wie sehr diese abgestumpften und selbst kreierten … Sauerkraut kauend im Çay rühren weiterlesen

Notizen einer Reisenden

Mekka, 06.04.2015 Eine Stadt eingetaucht in Geschichte, mit Spiritualität ummantelt, durch Göttlichkeit zugedeckt. Erfahrungen, die unbezahlbar sind. Nirgendwo erblickte ich so viel Symbolik wie dort. Ein im Grunde einfacher robuster Stein, mit einem schwarzen Tuch bezogen, verziert mit goldenen Ornamenten. Doch die vermeintliche Einfachheit dieses Steins ist nicht real, wenn man direkt vor ihr steht. Die Anwesenheit Gottes war nie stärker zu spüren und die Einheit des islamischen Kerns nie deutlicher zu sehen. Wenn der Adhan, der Gebetsruf ertönt, und Millionen von Menschen aufstehen, sich kerzengerade hinstellen, sich vor dem Haus Gottes aufbäumen und all die Augen nur auf einen … Notizen einer Reisenden weiterlesen

Wenn wir beginnen gemeinsam zu atmen – #GestattenMuslim

Der Mensch neigt immer dazu gegenüber Fremdem Vorsicht zu hegen. Vorsicht, die unschwer in Abneigung abdriften kann. Mentale Barrieren werden gebaut, so leicht zu errichten und doch mühsam abzubauen. Je länger diese Animosität in der Luft hängt, desto schwerer fällt das Atmen. Jenes selbstverständliche Aufatmen vor einer kollektiven Gemeinschaft, vor der Durchschnittlichkeit der Hinnahme einfachen Menschseins. Aufatmen innerhalb eines Gerüstes, umgeben von authentischer Zwischenmenschlichkeit und keinen befremdlichen Kontaktversuchen. Ich meine diese schwach durchscheinenden aber immerzu existenten Hoffnungen, die das Leben in einer Gesellschaft auf die schweren Klappen unserer abgestumpften Herzen malt, die erste Blicke auf das Individuum wirft, auf den … Wenn wir beginnen gemeinsam zu atmen – #GestattenMuslim weiterlesen